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Ein ganz und gar ungewöhnliches Filmgedicht von einzigartiger Schönheit, ein poetischer Kosmos aus Bildern und Tönen über den Rhythmus des Lebens und der Natur - ohne Dialoge, ohne "Story" im traditionellen Sinn. Die Handlung ist hier der Strom des Lebens selbst, festgehalten von der Kamera in dem kleinen Dorf Castellaro in der Provinz Mantua. Regisseur Franco Piavoli machte die Dorfbewohner zu kollektiven Darstellern, bat sie um etwas sehr Einfaches, doch zugleich Mutiges: Sich selbst zu spielen, die Kamera zu vergessen, ihr zu erlauben, auf den Feldern, in den Straßen und den Wohnungen Eindrücke zu sammeln.

So verfolgen wir auf einer Ebene des Films den Lauf des menschlichen Lebens: Kindheit, Jugend, Reifezeit, Alter. Auf einer zweiten wechseln die Jahreszeiten miteinander ab: Frühling-Sommer-Herbst-Winter. Beide Zyklen entwickeln sich bruchlos. Kinderspiele an einem leuchtenden Frühlingstag, Flirts, Lebensfreude und erste Enttäuschungen, Liebe, Hochzeit. In den Erwachsenen erwacht die Sehnsucht nach der vergangenen Jugend. Straßengespräche an einem heißen Juniabend, aber auch die Einsamkeit vor dem Fernseher. Das Gesicht eines Bauern, von tiefen Runzeln durchzogen. Dann das Erwachen der Herbstlandschaft. Der Fluß zieht langsam und unaufhaltsam dahin wie das Boot, das in ein jenseitiges Reich hinüberzugleiten scheint. Die Zeit der Reife und des Abschieds, der Lieder. Aber wieder stehen Kinder bereit zum Spiel auf dem zugefrorenen See, als der Winter einbricht; ihre unbeschwerten Stimmen verlieren sich in der Zeit.

Buch und Regie: Franco Piavoli

Mit den Einwohnern von Castellaro

Italien 1996 - 87 Min. - 35 mm - Farbe

Originalfassung ohne Dialoge