Eine wahre
Geschichte: In einem Armenviertel Teherans alarmieren Nachbarn
die Behörden: ein Elternpaar hält seine beiden 12jährigen Zwillingstöchter
seit ihrer Geburt im Haus eingesperrt, damit "nichts passiert".
Die herbeigerufene Sozialarbeiterin kann gegenüber dem ungebildeten,
streng religiösen Vater, der starr seine Prinzipien wiederholt,
zunächst nichts ausrichten. Schließlich befreit sie die beiden
Mädchen gewaltsam und sperrt den Vater ins Haus. Unsicher, aber
mit glücklichem Lächeln erkunden Massoumeh und Zahra eine für
sie völlig neue Welt außerhalb ihres Hauses, treffen auf andere
Menschen, lernen erstmals in ihrem Leben ein Gefühl von Freiheit
kennen. Der Vater daheim kann sich nur befreien, indem er mühsam
mit einer Eisensäge das Gitter an der Haustür durchfeilt. Er wird
seine Töchter nicht wieder einsperren können...
Samira Makhmalbaf,
Tochter des bekannten iranischen Filmemachers Mohsen Makhmalbaf,
hatte kurz nach einem Fernsehbericht über diesen unglaublichen
Vorfall Kontakt zu der Familie aufgenommen und überzeugte die
Beteiligten, ihre eigene Geschichte vor der Kamera noch einmal
nachzuspielen. So entstand in nur elf Tagen ein Film mit einer
"dritten Wirklichkeit, weder Fiktion noch Dokumentation" (Samira
Makhmalbaf). Die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst knapp 18jährige
Samira Makhmalbaf spricht mit diesem bewegenden Debutfilm zugleich
für eine neue Generation iranischer Filmemacher. Das Einsperren
der Töchter im Film wird zum Sinnbild für die politisch verordnete
Abriegelung des Landes und für eine Gesellschaft, die sich am
Ende doch dem Abenteuer Freiheit stellen muß.
Buch und Regie:
Samira Makhmalbaf
Mit Massoumeh
und Zahra Naderi (die Mädchen), Ghorbanali Naderi (Vater)
Iran 1997
- 85 Min. - 35 mm Farbe
Iranische
Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Filmfestival
Locarno 1998: Sonderpreis der Jury